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Hier finden Sie antworten auf oft gestellte Fragen rund um das Hochwasserschutzprojekt Rhesi:

Warum wird auf 4'300 m³/s Wasser ausgebaut?

Die 4'300 m³/s Wasser, auf die wir den Rhein ausbauen, setzen sich aus dem Abfluss des Rheins im Abschnitt „Landquart – Illmündung“ plus den Zuflüssen der Ill und der Frutz zusammen.
Der Abfluss im Bereich Landquart – Illmündung ist in der Grössenordnung von 2'600 m³/s (Domat/Ems) – 3'350 m³/s (Bad Ragaz). Dieser Abschnitt ist bereits auf solche Abflüsse ausgebaut und leitet daher sämtliches Wasser in die darunterliegende Strecke.

Was bedeutet die Abkürzung HQ 100?

Bei der Angabe HQ 100 steht das H steht für Hochwasser, Q für Quantität und 100 für die Jährlichkeit (=Wiederkehrperiode), gemeint ist also ein Hochwasser, wie es durchschnittlich betrachtet alle hundert Jahre einmal vorkommt.

Warum liest man von unterschiedlichen Wassermengen für HQ 100?

Die IRR setzt für ein HQ 100 eine Wassermenge von 3'100 m³/s (Kubikmeter Wasser pro Sekunde) an. Beim Rheinpegel Diepoldsau wird dafür ein Wert von 2'600 m³/s angegeben.

 

Um die Differenz zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass der Wert des Rheinpegels Diepoldsau durch eine rein statistische Auswertung eines einzigen Pegels zustandekommt. Es wird eine routinemässige Berechnung mittels Standardverfahren des DVWK (Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau) aus 1979 durchgeführt.

 

Die IRR berücksichtigt für die Festlegung des HQ100  noch weitere Pegel (Pegel Lustenau) und zusätzliche Einflussfaktoren. In die Berechnung fliessen u. a. dokumentierte Angaben zu historischen Ereignissen ein, dabei wird beispielsweise auch der reduzierte Abfluss, der 1927 durch einen  Dammbruch in Schaan verursacht wurde, wieder nach oben korrigiert.

 

Der höhere Wert der IRR ergibt sich auch daraus, dass bei den Daten des Rheinpegels Diepoldsau der Einfluss der Stauanlagen enthalten ist. Die Stauanlagen (oder Talsperren) im Einzugsgebiet des Kantons Graubünden können gemäss Hydrologie-Studie der IRKA aus dem Jahr 2000 bei einem Hochwasserereignis und idealen Bedingungen rund 400 bis 500 m³/s in den Seen zurück halten. Allerdings nur bei einem südlich-zentrierten Regenereignis (also einer Beregnung des Kantons Graubünden), da nur in diesem Fall die Stauseen von ihrer Lage her das Wasser tatsächlich zurückhalten können. Und wiederum auch nur dann, wenn sie zum Zeitpunkt des Regenereignisses tiefe Seestände aufweisen - also noch Kapazitäten zur Wasserspeicherung haben.

 

Beim Hochwasser 1987 wurde am Rhein ein Spitzenwert von 2'665 m³/s gemessen. Auch damals konnten Wassermengen in Stauseen zurück gehalten werden in der Grösse von 400 bis 500 m³/s. Da aber das erforderliche Speichervolumen der Stauseen nicht mit 100%iger Sicherheit bei Bedarf zur Verfügung stehen, rechnet die IRR die rückhaltbare Wassermenge bei ihren Angaben dazu. Somit ergibt sich: 2'665 m³/s (Wasserabfluss HW1987) + 400 m³/s (möglicher Rückhalt in den Stauseen im Bündnerland, der nicht zur Verfügung steht) = macht rund 3'100 m³/s.

Sind die Engstellen des Rheins derzeit eine Gefahr?

In einigen Bereichen des Rheins ist die Gerinnebreite inklusive Vorländer relativ schmal. Die Lage der Dämme ist historisch gewachsen. D.h. sie wurden mit der Zeit angepasst bzw. sind die Siedlungen bis zu den Dämmen gewachsen und haben dadurch deren Lage fixiert.

 

Eine Gefahr stellen diese Engstellen nicht direkt dar, der Abfluss von 3'100 m3/s ist gewährleistet, eine „Verstopfung“ kann nicht entstehen. Die Engstellen sind aber für das Ausbauprojekt massgebende Punkte: was wir hier durchbekommen, geht am Rest der Strecke auch durch.

 

Die bedeutendste Engstelle ist der Abschnitt vom Grenz- übergang Lustenau – Au bis zur ÖBB-Brücke. Neben den engstehenden Aussendämmen und der dichten Besiedlung ist hier auch noch die Trinkwassernutzung in Lustenau und Au massgebend. Die Kapazität könnte dennoch auch hier theoretisch bis zum EHQ (grösstmöglicher Abfluss) erhöht werden. Dies wäre aber nur durch Dammerhöhungen erzielbar.

Kann am Alten Rhein nicht ein Schleusenbauwerk errichtet werden?

Die Frage lautete, warum der alte Rhein nicht ähnlich wie das Donau-Entlastungsgerinne in Wien ein Schleusenwerk besitzt, das im Falle von Hochwasser geöffnet werden könnte.


Solche „Entlastungsgerinne“ denken wir derzeit an für Hochwasserereignisse über 4'300 m3/s. Auch in so einem Fall müssen die Dämme halten und das zusätzliche Wasser muss möglichst schadenfrei abgeleitet werden. Der Alte Rhein “Diepoldsauer Kurve“ eignet sich dafür bedingt: das Wasser muss dann zusätzlich an Lustenau vorbei in den Bodensee geleitet werden. Die dafür notwendigen Flächen werden in den sogenannten Blauzonen ausgewiesen und langfristig gesichert. Eine zweite Möglichkeit besteht beim „Alten Rhein – Esel- schwanz“, auch hier kann ein Teil abgeführt werden.

Setzt Rhesi auch Massnahmen in Liechtenstein um?

Der Zuständigkeitsbereich der IRR, die das Projekt Rhesi betreibt, erstreckt sich vom Bodensee bis zur Illmündung

Oberhalb der Illmündung liegt die Zuständigkeit beim Kanton St. Gallen bzw. Liechtenstein und weiter oben beim Kanton Graubünden. Im Bereich Bad Ragaz ist derzeit ebenfalls eine Aufweitung über ca. 2 km in Planung. Weitere Aufweitungen sind auch im Entwicklungskonzept Alpenrhein, das von allen Anrainern 2005 gemeinsam beschlossen wurde, vorgesehen (siehe auch http://www.alpenrhein.net/Publikationen/tabid/68/Default.aspx).

In Liechtenstein wird über neue Kraftwerksprojekte diskutiert. Ist Rhesi davon betroffen?

Die Projektleitung Rhesi steht mit den Projektbetreibern der Kraftwerke in Liechtenstein in Kontakt.

 

Die beiden Projekte haben aus technischer Sicht soweit derzeit beurteilbar keine gegenseitigen negativen Auswirkungen. Inwieweit sie sich aus ökologischer Sicht beeinflussen, muss noch geprüft werden.

Ist eine Aufweitung mit Kiesbänken und Pflanzenbewuchs nicht weniger hochwassersicher?

Durch eine Aufweitung ist eine stärkere Erhöhung der Abflusskapazität möglich als durch Erhöhung der Dämme. Dadurch werden allfällige Einschränkungen der Abflusskapazität durch Bewuchs und Anlandung mehr als kompensiert.

 

Der Wasserspiegel ist im Hochwasserfall niedriger als bei einer Dammerhöhung. Dadurch ist der Wasserdruck auf die Dämme und im Boden im Bereich der Dämme kleiner und die Dämme sind sicherer (Breitwasser statt Hochwasser).
 
Der Bewuchs regelt sich in den Flussbreiten, von denen wir im Projekt reden, von selbst. D.h. bei mittleren Hochwässern wird das Flussbett „durchgeputzt“. Allenfalls muss er bewirtschaftet werden. Diesen Aufwand berücksichtigen wir in der Kosten- schätzung.
 
Die Anlandungen und Sedimentationen müssen – nach einer gewissen Auffüllphase - bewirtschaftet werden. Das ist bisher bei km 90 passiert und wird in Zukunft weiter flussaufwärts geschehen.

Wird bei einer Aufweitung nur in eine Richtung aufgeweitet?

Nein, im Falle einer einseitigen Aufweitung wird jedenfalls in Richtung Österreich und in Richtung Schweiz aufgeweitet. Diese Details entwickeln unsere Planer derzeit und erste Vorschläge für Kombinationsvarianten werden im September 2012 den Akteuren präsentiert.

Das Projekt ist ja länderübergreifend - wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Der länderübergreifende Aspekt ist tatsächliche eine besondere Herausforderung. Es müssen in allen Aspekten immer zwei Rechtslagen oder Normenwerke berücksichtigt werden.
Die Zusammenarbeit funktioniert aber tadellos. Nicht zuletzt Dank der beiden Rheinbauleiter (einen schweizerischen und einen österreichischen), die in beiden Ländern gut verankert sind und die Projektleitung unterstützen.

Hat es schon massive Schadensereignisse gegeben?

Bis 1892 gab es regelmässig schwere Überschwemmungen im Rheintal. Seither konnten diese drastisch reduziert werden. Das letzte grosse Schadensereignis fand 1927 mit dem Dammbruch in Schaan statt. 1987 ist der Damm im Bereich Fussach (Österreich) gebrochen, zum Glück waren aber weder Menschen noch Gebäude betroffen, die Stelle lag sehr nahe am Bodensee.

Muss man Hochwasserschutz auf ein 300-Jahr-Ereignis auslegen, ist das nicht übertrieben?

Hochwasserschutz ist heute auf ein 300-jährliches Ereignis ausgerichtet, das ist Standard an grossen Gewässern. Natürlich kann man das auch begründen:

 

Ein massives Hochwasser im Rheintal würde Schäden von über 5 Mrd. CHF verursachen. Das hat mit der dichten Besiedelung beidseits des Rheins zu tun.

 

Ausserdem haben wir hier noch ein spezifisches Problem: die heutigen Dämme wurden grossteils zwischen 1860 und 1880 erstellt und seitdem ständig erweitert, Sanierungsbedarf ist daher gegeben.

Landwirte wehren sich bereits mit einer IG gegen die Ausbaupläne. Was sagen Sie dazu?

Wir haben rund um den Rhein verschiedene Nutzergruppen: Trinkwasserversorger, Fischer, Spaziergänger, Tourismus, u.v.m. Dazu gehören auch die Landwirte. Wir suchen in diesen Tagen und Wochen mit all diesen Nutzergruppen das Gespräch, sprechen sie auch auf ihre Bedürfnisse und Bedenken an und beziehen diese Ergebnisse in die Planung mit ein.

 

Auch mit den Vertretern der Landwirtschaft - auf beiden Seiten des Rheins - führen wir diese Gespräche.

Ist es verantwortbar, so viel guten landwirtschaftlichen Boden zu opfern?

Diese Frage wird in den Variantenuntersuchungen berücksichtigt. Dabei werden die  Auswirkungen jeder Basisvariante auf z.B. den Geschiebehaushalt, die Sohl-Entwicklung, den Grundwasserspiegel, die Ökologie oder den Flächenbedarf ermittelt.

Wie viel kostet das ganze Projekt?

Eine Grobkostenschätzung der ETH Zürich aus dem Jahre 2009 geht von ca. 600 Mio. CHF (500 Mio. €) aus. Dabei handelt es sich aber um eine sehr grobe Schätzung, die noch bis zu 50% nach oben oder unten variieren kann. Erst nach Festlegung auf eine Kombinationsvariante kann dies genauer ermittelt werden.

 

Das Schadenpotenzial einer grossen Überschwemmung liegt bei über 5 Mrd. CHF. So gesehen sind die Kosten zu rechtfertigen. Dazu kommt, dass die Dämme teilweise bereits 150 Jahre alt sind und eine Sanierung ansteht.

Wie viel landwirtschaftliches Land geht verloren?

Die Vorländer – die zum Gewässerraum gehören und daher kein landwirtschaftliches Land im eigentlichen Sinne sind, werden  aus Sicht der IRR im Sinne einer kostengünstigen Instandhaltung derzeit landwirtschaftlich genutzt. Diese Nutzung ist erst seit der Rheinregulierung möglich und wurde am Anfang vom Rheinunternehmen durchgeführt, da kein Interesse von Seiten der Landwirtschaft bestand.
 
Insgesamt werden ca. 400 ha genutzt. Diese Flächen werden je nach Varianten weiterhin bestehen oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.
 
Im Variantenvergleich wird die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen ein Kriterium sein, das mitberücksichtigt wird und mitentscheidet, welche Variante umgesetzt wird.

Wo sehen Sie die grösste Herausforderung?

Die grösste Herausforderung wird sein, den bestmöglichen Schutz für die rund 300´000 EinwohnerInnen zu erzielen, gleichzeitig den Rhein ökologisch wieder aufzuwerten und die Interessen der Landwirtschaft zu wahren. Am Ende sollen wir im Rheintal aber wieder lernen, mit der Naturgefahr des Hochwassers zu leben.

Herr Dr. Mähr, was sind Ihre Aufgaben als Projektleiter?

Ich bin vor allem für sämtliche Belange, die das Hochwasserschutzprojekt Rhesi betreffen, zuständig. Dazu gehören die Führung der Planungsarbeiten und die laufenden Gespräche mit den weiteren Projektbeteiligten. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Sicherstellung der öffentlichen Information durch Ausstellungen, die Projekt-Homepage und Veranstaltungen.

Wurden im Projektgebiet in der Vergangenheit schon Massnahmen gegen Hochwasser getroffen?

Ja, natürlich. Für die Hochwassersicherheit dieses Abschnittes ist seit 1892 die IRR (Internationale Rheinregulierung) zuständig. Der Hochwasserschutz wurde seither schrittweise ausgebaut. Derzeit ist eine Abflusskapazität von 3'100 m3/s gewährleistet, das entspricht einem hundertjährigen Ereignis. Wir werden diese auf mindestens 4'300 m3/s erhöhen, was einem 300jährigen Ereignis entspricht.

Warum reicht es nicht, nur auszubaggern?

Alle Erfahrungen und Prognosen zeigen, dass der Rhein ständig auflandet, die Sohle wird also langsam immer höher.
Das heutige Schutzziel von Q = 3´100 m3/s entspricht einem hundertjährlichen Hochwasser (HQ 100) und kann nur mit ständigen zusätzlichen Geschiebeentnahmen gewährleistet werden. Wir wollen mit dem Projekt Rhesi den Schutz erhöhen auf Q = 4´300 m3/s und dies ist innerhalb der Damme nur durch eine Vergrösserung des Abflussquerschnitts zu erreichen.

Wieviel bezahlen Bund und Kanton und Österreich an das 600 Mio Franken teure Rhesi-Projekt?

Die Staaten Schweiz und Österreich teilen sich die Kosten voraussichtlich 50/50. Der Schlüssel wird endgültig mit dem neuen Staatsvertrag fixiert werden. Der Schlüssel Kanton/Bund ist noch nicht fixiert. Für die aktuellen Kosten lautet der er 80/20 Bund/Kanton. Der neue Teiler wird ähnlich sein.

Internationale Rheinregulierung

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